Rechnung an Vereine verhindert keine Fußball-Gewalt

35609_original_ErdoganCetin_pixelio_cutMalchow: Falsches Signal vor brisantem Nord-Derby

Berlin. Der angekündigte Bremer Gebührenbescheid für den Polizeieinsatz beim Ligaspiel zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV am Sonntag wird nach Auffassung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) keinen Fußball-Gewalttäter abschrecken. Nur Träumer würden zudem annehmen, dass die Politik das eingenommene Geld eins zu eins in mehr Sicherheit investieren würde.
GdP-Bundesvorsitzender Oliver Malchow: „Die Bremer Koalition sendet ein falsches Signal. Krawalle rund um die Stadien erledigen sich nicht mit einer saftigen Rechnung an die Vereine. Verbände, Clubs, Politik und Polizei müssen an einem Strang ziehen. Nur mit gemeinsam getragenen Maßnahmen kann die meist außerhalb der Stadien auftretende Randale wirksamer entgegengetreten werden.“
Identifizierte Täter und Rädelsführer müssten unverzüglich bestraft werden. Schwere Körperverletzung und Landfriedensbruch seien keine Lappalien. „Jagdszenen rund um die Spiele spiegeln allein den Hass unbelehrbarer Chaoten wider. Notorischen Machtdemonstrationen von Hooligans und Ultras muss die Bühne Fußball entzogen werden“, betonte Malchow am Freitag in Berlin.
Der GdP-Bundesvorsitzende forderte unter Hinweis auf das GdP-Positionspapier für einen „friedlichen Fußball“, dass dort, wo sich bereits eine gewaltbereite Fanszene etabliert habe, sich die Vereine noch klarer abgrenzen müssten. „Was die Clubs schon jetzt leisten, sollte von der Politik unterstützt, jedoch nicht durch umstrittene Gebührenbescheide unterlaufen werden“, sagte Malchow.

 

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Themenbereich: Fussballeinsätze und Gewalt | Drucken

4 Kommentare
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  1. Also ich sehe keinen Grund, warum einerseits Fußballvereine Profite in Millionenhöhe erwirtschaften und ihre Manager Millionengehälter einstreichen (im Einzelfall noch nicht mal versteuert), während die Kosten die Allgemeinheit zu tragen hat. Ich finde, die Bremer Koalition sendet das richtige Signal.

    Ebensowenig erschließt es sich mir, warum das Ganze ein Gewerkschaftsthema ist. Welchen Nutzen hat der PVB vor Ort, wenn der Club keinen Gebührenbescheid erhält? Und Nutzwert für den PVB vor Ort ist das einzige Kriterium, was für die Gewerkschaft relevant sein dürfte. Daß die GdP wirtschaftliche Interessen der Fußballvereine vertritt, anstatt die ihrer Mitglieder, dafür ist mir der Gewerkschaftsbeitrag zu schade.

  2. Es gab kürzlich eine Schlägerei zwischen Deutschen und Niederländern. Dies geschah bekanntlich auf niederländischen Hoheitsgebiet.
    Als die Deutschen die Polizeibeamten angriffen, wurden sie festgenommen.
    15 sitzen immer noch in Haft.
    Solch ein konsequentes Durchgreifen würde auch in Deutschland eine Lösung der Probleme schaffen.
    Doch hier werden die Personalien festgestellt und eine Anzeige aufgenommen. Im Höchstfall eine Vorführung (wenn überhaupt persönlich und nicht schriftlich) und dann auf freien Fuss mit der Begründung „fester Wohnsitz“. Die Verhandlung ist dann „zeitnah“ ein halbes Jahr später. Die Urteile gegen echte Gewalttäter… traurig.
    Und eines noch ! Bitte schmeisst nicht alle Ultras in einen Topf. Viele Ultra verhalten sich sogar vorbildlich und gegen friedlich in der Gruppe zum Heimspiel in ihr Stadion.
    Wenn ich dann manchmal gewissen Herrengruppen und ihr Verhalten im Zug sehe… nun ja.

    Die niederländische Lösung würde die echten Gewalttäter abschrecken. Auf das Stadionverbot geben die nichts. Und in das Stadion kommen diese trotzdem.

  3. @Sachbearbeiter
    Wie ich Dir schon im Juli 2014 zum gleichen Thema schrieb: Die Zahlung der Polizei löst nicht unser Problem. Die Vereine der Profiligen sind heute schon steuerpflichtig. Finanzsschwachen Vereinen wurde in der Vergangenheit die Steuerschuld erlassen. Die Erhebung von Polizeikosten führt auch zu einer Debatte ob die Personalgestellung und Umfang notwendig war. Wesentlicher ist aber, die Einsatzbelastung für dei Begleitung und die Unterstützung der Spielortbehörden würde nicht sinken. Die überwiegende Zahl der ca. 18 Millionen Zuschauer sind friedlich. Wir als Polizei bräuchten die Möglichkeit verurteilten Gewalttätern Aufenthaltsverbote, Beförderungsauschlüssen und Meldeauflagen zu erteilen. Diese Maßnahmen sind keine Kollektivstrafen; sondern folgen dem Verursacherprinzip. Das polizeiliche Problem sind nicht die friedlichen Zuschauer; sondern die Gewalttäter.
    Jörg Radek

  4. @radek
    Lieber Kollege Radek, sicherlich haste mit deinen Ausführungen recht, allerdings halte ich es für sinnlos das wir uns als Polizisten und Gewerkschaften darüber gedanken machen, ob die Politik die Vereine den Polizeieinsatz nun bezahlen lassen oder nicht. Wir haben innerhalb unserer Behörde soviele Baustellen, da brauchen die Vereine uns als Polizeigewerkschaft nicht als Fürsprecher. Mir als Polizisten gehts am … vorbei ob die jetzt zahlen oder nicht, was mir aber wichtig ist, dass ich in solche Einsätze mit der entsprechenden Ausrüstung gehe. Also liebe GdP verschwendet eure Energie bitte auf Sachthemen die uns als Polizisten auf der Strasse auch einen Vorteil bringen, nur um in der Presse zu stehen, den Vereinen beizuspringen, bringt nicht einen Polizisten mehr auf die Strasse geschweige den dem Polizisten ne bessere Ausrüstung.