Gewerkschafter fordern das Ende der Personalmisere in der Bundespolizei

WP_20150427_14_10_47_ProMehr Personal für die Kernaufgaben der Bundespolizei fordert die Gewerkschaft der Polizei (GdP). Ihr Vorsitzender für den Bereich Bundespolizei, Jörg Radek, kritisiert, dass trotz erster Ansätze zur Beseitigung des Personalfehls die Zerreißprobe weitergeht. Selbst behördlicherseits spricht man inzwischen von 3.450 fehlenden Stellen für Polizeibeamte und für die Verwaltung.

Bei der heute in Potsdam stattfindenden Konferenz der GdP diskutieren rund 150 Delegierte der Bundespolizei über die aktuellen Herausforderungen. „Die Personallöcher an der Grenze zu Österreich, an unseren Flughäfen, auf den Bahnhöfen und bei der Bereitschaftspolizei gefährden die Gesundheit der Mitarbeiter und die Innere Sicherheit Deutschlands“, so Radek. Ein hoher Krankenstand und zunehmende Burn Out-Raten seien inzwischen Normalität.

An Personal fehlt es nicht nur im Vollzug, sondern auch in der Verwaltung. Zwar sollen in diesem Jahr weit mehr Polizeianwärter eingestellt werden als in den vergangenen Jahren, doch ist noch nicht klar, wer deren Ausbildung übernehmen soll. Denn auch an Lehrpersonal mangelt es. „Eine solch miserable Personalausstattung gibt es sonst in keiner Bundessicherheitsbehörde. Wir haben zu viele Aufgaben für zu wenig Personal“, so Radek.

WP_20150427_14_11_24_ProDie Gewerkschafter beraten außerdem über ihre Forderung nach einer Rücknahme der Privatisierung der Luftsicherheitskontrolle sowie die Unterfinanzierung bei der Ausstattung.
„Fahndung nach Terroristen oder die Bewältigung einer lebensbedrohlichen Gefahr erfordern eine ausreichende Schutzausstattung und sowie funktionierende Trainingstätten. Mit unseren Potsdamer Positionen wollen wir uns gezielt an das Parlament richten. Die Bundestagsabgeordneten müssen entscheiden, ob sie wirklich eine Bundespolizei wollen, bei der die Bahnpolizei nur über 60% des erforderlichen Personals verfügt und bei deren Bereitschaftspolizei von 27 Hundertschaften nur 12 einsetzbar sind“, so Radek.

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Themenbereich: Aus dem Bezirksvorstand | Drucken

6 Kommentare
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  1. Wieviele einsatzfähig Einsatzhundertschaften braucht die Bundespolizei, dass sie funktioniert? Ich denke, dass wir eine Zahl erreicht haben, wo sich jetzt eine neue Schwerpunktdienststelle aufgetan hat.

  2. Die Situation oder eher das Dilemma, vor dem nicht nur die Bundespolizei sondern auch die Bundesfinanzpolizei steht, haben wir einer jahrzehntelangen politischen Misswirtschaft zu verdanken, die parteiübergreifend das Ziel hatte, den öffentlichen Dienst, allen voran das Beamtentum, zu reduzieren.
    Ich wünsche deshald den Delegierten in Potsdam ein glückliches Händchen und noch ein bisschen mehr.

    Während von der Politik immer die Forderung nach einem modernen öffentlichen Dienst bzw. der Wunsch nach Bürokratieabbau zu hören ist, werden gleichzeitig immer höhere Hürden für diehenigen geschaffen, die (noch) willens sind mehr für ihren Staat zu geben.

    Ich weiß von keiner Altersdemografiestudie in der Bundespolizei, aber bei der Bundesfinanzpolizei – bzw. derzeitigem Zollvollzugsdienst – liegt der Altersdurchschnitt bei über 45 Jahren und in den nächsten 20 Jahren gehen mehr als 56% der Kollegen in ihren dann wohlverdienten Ruhestand (65 Jahre und älter) – in Zahlen heisst, dass von ca. 17.000 Vollzugsbeamten verbleiben dann höchstens 7.480 Beschäftigte übrig (ohne Zuführung passenden Nachwuchs). In spätestens 5 Jahren wird es z.B. (fast) keine Kontrolleinheiten des Zolls mehr auf deutschen Autobahnen und Straßen geben – freie Fahrt den Drogenschmugglern, Einbrecherbanden und Terroristen und anderen „dunklen“ Gestalten.

    Sollte hier bei der Bundespolizei ein vergleichbarer (evtl. noch höherer) Altersdurchschnitt vorhanden sein, dann müßten doch alle Alarmglocken schrillen oder?

    Aber anscheinend ist es von oben so gewollt, dass wir etwas opfern, dass mit zum Funktionieren, zur Aufrechterhaltung und Sicherung unserer Demokratie beigetragen hat.

    oder besser gesagt, wir sind auf Kurs, das Rendevouz mit dem Eisberg kann beginnen….

  3. (der erste Beitrag ist zu früh versendet worden).

    Die Zahl 12 ist zu hoch gegriffen. Zieht man Urlaub, panbares freies Wochenende und die Abordnungen nach FFM ab bleiben maximal sieben. Das reine Personal der BePo, der Auffüllgrad, spiegelt nicht die Zahl derer da, die in den Einsatz gebracht werden können. (Und ich meine keine Gruppenführer, die mittlerweile als ‚Jupp in de Trupp‘ fahren, sondern viele die durch Atteste oder Lebensalter oder, oder, nicht in den Einsatz gebracht werden können).

    Ob es den Präsidenten aus FFM und München gefällt oder nicht, zu nächst muss die Bereitschaftspolizei aufgefüllt werden.

  4. Sehr richtig!
    …die Frage wird halt sein: wie gedenkt man dem Personaldefizit zuleibe zu rücken?
    Durch Schliessen der Dienstposten-Planstellenlücke?
    O.k., wenn das bedeutet, dass die notwendigen Planstellen eingerichtet werden.
    Nicht o.k., wenn zum „Ausgleich“ Dienstposten getrichen bzw. nicht besetzt werden.
    Dies war ja bekanntlich an der Ostgrenze angedacht, die entsprechende „Denke“ hat den Westen bzw. das Landesinnere jedoch bereits infiziert.
    Oder was soll man davon halten, wenn eine Inspektion im Südwesten sich weigert, freie und besetzbare Dienstposten ausschreiben zu lassen? (Bzw., dieses bei der zuständigen Direktion zu beantragen)
    Gibt´s nicht?
    Doch doch, gibt´s bei uns:

    http://kg-weil-am-rhein.gdpbundespolizei.de/2015/04/21/nicht-nur-im-osten/

  5. @BePo
    Dann warten wir einmal auf den Tag, an dem uns diHaushälter erklären das für 12 (6) Hundertschaften auch nur 12 (6) EHU’s auch nur (X) Liegenschaften, Fahrzeuge, FEM und „Standorte“ benötigen.
    Da lässt sich doch was sparen!
    @ Gerhard M.
    Solange die Deckelung der 80 Prozent oder 60 Prozent Dienststellen
    be steht, darf dort, zumindest im KSB Bereich nicht ausgeschrieben werden. Deshalb auch die Ausschreibung der Führungskraft bei euch. Die sind davon ausgenommen. Das Papier dazu aus 2009 oder 2010 dürfte allen bekannt sein. Nichts neues im Westen!

  6. Die Personalmisere wird durch den neuen ODP noch viel schlimmer und es wird eine Menge Klagen geben, wegen Stellenbesetzungen, was auch nicht wirklich förderlich sein wird.
    Dementsprechend wird auch nichts besser!
    Die Zahl der Kündigungen der neuen PM´s und PK´s ist jedenfalls ungebrochen hoch und genauso die Anzahl der altgedienten PVB, die in Pension gehen!
    Und wie wird gegengesteuert? Ich würde sagen, so wie etwa um 1993, wo alles eingestellt worden ist, was sich beworben hat.
    So wird natürlich die Qualität besser!!!!!
    Die Probleme sind in allen Direktionen gleich groß, auch wenn bestimmte Direktionen immer wieder herausstechen.
    Und Zahlen, wie über 1000 Illegale an einem Wochenende sind nur der Anfang! Es wird nicht besser, da auch die AFZ´s schon nicht mehr wissen, wo und wer die vielen Azubi´s überhaupt noch ausbilden soll, ohne in anderen Bereich wieder Löcher zu reissen, damit am Ende von 100 Azubi´s die bestanden haben gleich wieder ca. 1/4 kündigt (wobei ja auch ca. 1/3 schon an der Ausbildung scheitert, also durchfällt oder stimmen die Zahlen nicht oder nicht ganz?)!
    Das Problem der BuFiPo wird uns genauso treffen, da unser Altersdurchschnitt Bundesweit etwa auf dem gleichen Niveau (also etwa 45 Jahre) ist. Wenn nicht langsam durch die entsprechenden Stellen (BMF, BMI, Bundesregierung) gegengesteuert wird, geht das Schiff langsam weiter unter!
    Aber nicht durch unsinnigen Aktionismus, sondern mit durchdachten Konzepten, dafür bekommen doch die hochdotierten Kollegen auch ein Haufen Geld; natürlich in der freien Wirtschaft noch viel mehr!
    Ich kann nur sagen, dass sich nur etwas ändert, indem man von Gewerkschaftsseite immer und immer wieder an die Öffentlichkeit geht und die Situation widerspiegelt und scheinbar müssen erst wieder Attentate geschehen (siehe Oberursel), dass man wieder wach wird und Geld in die Hand nimmt!
    Bleib dran, GdP!