Unsere Zeit ist zu kostbar um Gewalttäter zu eskortieren

Jörg Radek, Vorsitzender GdP-Bezirk Bundespolizei

Jörg Radek, Vorsitzender GdP-Bezirk Bundespolizei

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert ein Umdenken im Umgang mit gewalttätigen Fußballfans und will zunehmenden „Gewalttourismus“ von vornherein unterbinden. „Für gezielte Gewaltpräventionsarbeit braucht es die passenden rechtlichen Rahmenbedingungen“, so Jörg Radek, Vorsitzender der GdP Bundespolizei, und begrüßt, dass sich die Innenministerkonferenz in dieser Woche des Themas annehmen will.

Laut Gewerkschaft könnten Sanktionsmaßnahmen für im Zusammenhang mit Sportereignissen abgeurteilte Gewalttäter, wie Beförderungsausschlüsse im Bahnverkehr, Alkoholverbot, Betretungsverbote von Bahnanlagen sowie Meldeauflagen die Lage wesentlich entschärfen.

„Wir müssen hier deutlich differenzieren: Wir haben eine große Masse an friedlichen Fußballfans, die sich im Umfeld des Stadions und bei der An- und Abreise sicher fühlen möchten. Die Gewalttätigen von den Friedlichen zu trennen, ist extrem aufwendig. Und eben dieser Aufwand ist so personal- und kostenintensiv. Randalierern und Gewalttätern müssen wir mit gezielten personenbezogenen Maßnahmen das Handwerk legen, die der Fankultur insgesamt keinen Abbruch tun. Es gibt keinen Grund, warum es abgeurteilten Gewalttätern erlaubt sein sollte, weiterhin zu Fußballspielen zu fahren. Beförderungsausschluss und Meldeauflagen wären logische Ergänzungen zur Maßnahme des Stadionverbotes“, fordert Radek.

Für die Bundespolizei bedeuten die Fußballeinsätze Kernaufgabe. Jede Saison nutzen weit über drei Millionen Fußballfans die Bahn als Verkehrsmittel. Polizeilich besonders bedeutend sind zum Beispiel die Vereine Borussia Dortmund, Schalke 04, Dynamo Dresden und Hansa Rostock.

Für unsere Kolleginnen und Kollegen bedeuten diese Einsätze Woche für Woche Einsatzbelastung. Das Personal wird aber ebenso an den Grenzen, an den Flughäfen und auf den Bahnhöfen benötigt. „Bei einem Personalfehl von 3600 ist jede Maßnahme zur Reduzierung des Aufwandes bei der Begleitung von Gewalttätern willkommen. Unsere Zeit ist zu kostbar um Gewalttäter zu eskortieren,“ so der Gewerkschafter.

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2 Kommentare
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  1. Das sehe ich genauso, aber wenn ich daran denke, dass ich letzte Saison Darmstadt gegen Pauli mit ner ganzen HuStaerke gefahren bin. Man bedenke hier auch Fanfreundschaft besteht… Also Gruenspiel. So konnte ich zusehen, wie man sich am hbf begrüßt und sich die Hände schüttelt.
    So schlecht kann es der Bpol dann doch nicht gehen.

  2. Beförderungsausschluss, Betretungsverbot von Bahnanlagen und Alkoholverbot sind zahllose Tiger. Beim Punkt Meldeauflagen fängt es erst an, überhaupt interessant zu werden.
    Es müssen ganz klar die wenigen wirklichen Straftäter ob ihrer Straftaten abgeurteilt werden. Und nicht nur die Gewalttäter. Auch die Deppen, die einfach „nur“ Sachbeschädigung begehen. Oder den generischen Fans einfach ohne Vorankündigung in die Schnauze hauen.
    Geschieht dies erkennt im Zusammenhang mit dem Fussball und ist das auch einem Verein zuzuordnen, gibt es halt Strafen und zwar von der Meldepflicht bei der örtlichen Polizeistation kurz vor Anpfiff über Sozialstunden an den nächsten Spieltagen bis hin zur Verwahrung zwecks Vermeidung weiterer Straftaten. Und Vorfälle wie in Halle, wo die Polizei in Falle gelockt wurde, müssen klipp und klar mit Haftstrafen belegt werden.
    Weiter muss auch nach richterlicher Verfügung der Meldeauflage gleich die Missachtung in das Urteil hineinfleissen. Da kann nur ein Haft bedeuten.
    Nur habe ich wenig Hoffnung. Trifft man gesprächsbereite Kunden aus seinem Gesamtbereich, sträuben sich mir die Haare. Vieles bügelt bei Fussballsachen der Anwalt einfach weg. Sozialstunden sind nicht dazu da, vollumfänglich abgeleistet zu werden. Da werden bei „Ich komme einfach nicht mehr“ die Reststunden erlassen. Oder manchmal im BTM Bereich zweistellige Geldauflagen von der Staatsanwaltschaft für rundweg um die drei Dutzend Gramm auferlegt und das Verfahren eingestellt. Gegenüber noch schlimmeren Fällen, wenn dutzendfach vorbestrafte „Vögel“ am nächsten Tag wieder am Bahnhof verkaufen dürfen.
    Aber wehe einer hat drei Tage zu lange Leistungen vom Arbeitsamt, weil er sich nun auch erst zum entsprechenden Datum abgemeldet hat ! Dann kommt nicht nur die übliche Rückforderung vom Arbeitsamt, was ja vollkommen korrekt ist. Nein, der Zoll leitet erstmal aufgrund des Verdachtes einer Straftat ein Verfahren ein. Anmerkung: Die Kollegen vom Zoll arbeiten hier in Steuerstrafverfahren als Staatsanwaltschaft.
    Oder jemand hat Schulden und dem Mahnbescheid widersprochen. Das Urteil ist nach den üblichen Fristen innerhalb einer Woche beim Schuldner.
    So werden in der Strafverfolgung die Prioritäten gesetzt. Das Geld regiert hier.
    Deshalb ja auch überhaupt der Focus auf die Gewalt im Fussball. In den 80er Jahren haben die vom Kapital sich ein Ei darauf gepellt. Nun sind aber Milliarden (nicht Millionen) im Spiel. Der Fussball muss sauber übertragen werden und die Kunden sauber im Stadion ihr Geld lassen.
    Wer ein wenig länger Polizeibeamter ist, kann dies nur bestätigen.