Wir haben einfach nicht das Personal!

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© Oliver Weber – pixelio.de

Pressemeldung der GdP Bund vom 27.10.2015:

Berlin. In der Diskussion um einen besseren Schutz der EU-Außengrenzen hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) an die sehr angespannte Personaldecke erinnert. Der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Jörg Radek unterstützte in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der Funke Mediengruppe, die in Deutschland zwölf Tageszeitungen verlegt, das stärkere Engagement, warnte aber vor einer Überlastung der Bundespolizei. „Wir haben nicht das Personal. Das wird zu Abstrichen im Inlandsdienst führen“, sagte der GdP-Vize nach einem Bericht auf dem Onlineportal „Der Westen.de“.

Dennoch dürfe sich Deutschland nicht zurückhalten, wenn es jetzt um einen stärkeren Schutz der EU-Außengrenze gehe, betonte Radek weiter. Die Erfahrung mit diesen und anderen Auslandseinsätzen sei durchweg positiv. „Grenzkontrollen sind die Kernkompetenz der Bundespolizei“, sagte er und fügte hinzu: „Der deutsche Polizeidienst ist ein Exportschlager.“

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums habe die Bundesregierung für den Frontex-Einsatz in Griechenland 50 zusätzliche Beamte der Bundespolizei angeboten, die zur Unterstützung des neuen EU-Konzepts von Hotspots eingesetzt werden sollen. Der Einsatzbeginn stehe noch nicht fest. Zusätzlich werde jetzt auch eine Beteiligung an dem geplanten Einsatz in Slowenien geprüft, obwohl die Bundespolizei schon sehr stark in Anspruch genommen sei.

Bereits heute ist die Bundespolizei am Schutz der EU-Außengrenzen stark beteiligt: Dem Medienbericht zufolge werden laut Bundesinnenministerium in diesem Jahr über 240 Polizeivollzugsbeamte und 65 weitere Experten zur Grenzsicherung in EU-Staaten entsandt, teilweise zum Dienst bei der EU-Grenzschutzagentur Frontex. Eine Ausweitung des Einsatzes wird bereits seit Langem diskutiert. Zusätzlichen Druck erzeugt der Beschluss des EU-Gipfels am Sonntag, 400 Grenzschützer aus EU-Staaten nach Slowenien zu entsenden und die EU-Außengrenzen in Südosteuropa besser abzusichern.

 

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Themenbereich: Ausstattung & Ausrüstung | Drucken

7 Kommentare
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  1. Auch hier würde der Einsatz von VzB der Zollverwaltung durchaus Sinn ergeben.

  2. So langsam wird mir schwarz vor Augen. Wo sollen denn unsere Jungs noch überall ihren Dienst versehen.

    Abordnungen nach Süddeutschland, dreimaonatsweise bzw. im wöchentlichen Rythmus, Grenzschutz in Griechenland und immer und immer mehr Einsatzschwerpunkte und immer mehr Personal aus den Dienststellen dort hin beordern.

    Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Schön dass es das noch gibt,…. aber leider nur auf dem Papier. Die Praxis zeigt leider ganz andere Tatsachen.
    Die originären Aufgaben in den jeweiligen Dienststellen, sind zumindest mal in unserem Bereich, doch bereits seit Monaten nicht mehr ordnungsgemäß durchführbar. Und das ist ja nicht gerade erst ein Phänomen, was mit der Flüchtlingskriese einherging. Die Problematik existiert ja bereits viel länger.
    Man kann von Glück sagen, dass sonst noch nix großartiges passiert ist. Und man sollte auch hoffen dass das so bleibt.

    Ich wünsche all meinen Kollegen viel Kraft und vor allem gesunde Nerven für die nächsten Wochen und Monate!

  3. Warum leistet man sich denn eine Auslandshundertschaft oder wie immer die heißt.

    Vielleicht sollte man die Anstatt nach Passau einfach mal ins Ausland schicken. Oder warum wurde die sonst aufgebaut ???

  4. Was ich mich nach 33 Dienstjahren mittlerweile frage ist:

    Können wir überhaubt noch Grenzschutz, bzw. solche Lagen, die die innere Sicherheit gefährden bewältigen. Seit 15 Jahren leben wir (nur aus Sicht der BPOL) doch in einem sich selbstverwaltenden von Managern erdrückte Behörde.
    Wo sind die Tugenden der „alten“ Führungspersönlichkeiten?
    Auf den Putz hauen und sagen: Es geht nicht! Remonstration incl. Arsch in der Hose zu haben und mit eventuellen Konsequenzen der Karriereleiter betreffend in Kauf nehmen.
    Das Aussitzen und Hinehmen von Rechtsbrüchen der eigenen Verwaltung oder der Politik. Zahlen und Statistiken nur zu dem einzigen Zweck erstellen, um sich zu verkaufen. Kritik wird und wurde im Keim erdrückt.

    Können wir noch eine solche Lage, ähnlich der Wiedervereinigung bewältigen?

    Ich zweifele stark an unserer Organisation. Im Augenblick habe ich den Eindruck, das wir führungslos und widerspruchlos verheizt werden.

  5. @MeineMeinung

    „Warum leistet man sich denn eine Auslandshundertschaft oder wie immer die heißt. “

    Tja, man leistet sich diese Einheit, hat die aber seit Jahren nicht unterstützt. Die Dauerausschreibung ist erst dieses Jahr wieder rausgekommen, davor war eine Nachwuchswerbung für diese Einheit schlicht nicht möglich/gewollt durch die Führung.

    Dementsprechend fehlt einfach die Manpower, auch die Kollegen können nicht von einem Einsatz zum nächsten hetzen, momentan unterstützen die Kollegen der IEE Frontex in Griechenland wahr. demnächst in Slowenien, die bil. Maßnahme in Serbien, den HOD-Pool und den KHOD-Pool.
    Dazu kommen noch die Kollegen die momentan an de bay. Grenze sind.

    Die Kollegen machen ihre Aufgabe seit Jahren ohne zu murren, aber wie geschrieben auch ohne große Unterstützung und ohne Zuwachs.
    Kollegen wandern ab, es kommen keine neuen.

    Jetzt merkt man plötzlich, das diese Einheit doch ganz nützlich sein kann. Vll kommt jetzt mehr Bewegung in die Sache, aber das brauch Zeit.
    Wie üblich musste das Kind erst in den Brunnen fallen, bevor die Bundespolizei reagiert.

    „Vielleicht sollte man die Anstatt nach Passau einfach mal ins Ausland schicken. “

    Leider gehört die Einheit zur BPOLD BP und muss diese Einsätze mitfahren.

  6. Moinsens!

    Zitat: „Wir haben nicht das Personal. Das wird zu Abstrichen im Inlandsdienst führen“ Zitatende.

    So positiv täte ich das nicht formulieren.

    Tatsächlich führen die massiven Abordnungen von Personal an die Österreicheische Grenze bereits zu Abstrichen, da scheinbar bereits Reviere geschlossen oder wie in unserem Fall, bis auf das absolute Minimum an Personal heruntergefahren wurde. Da interessiert offensichtlich der gesetzliche Auftrag nicht und der Leitfaden 371 Eigensicherung schon gar nicht. Jetzt werden auch vermehrt Flüchtlinge in den (personalreduzierten) Inlandsdienststellen vorstellig und müssen entsprechend (§ 163 StPO) abgearbeitet werden und binden das verbliebene Personal dahingehend, dass andere Einsätze warten müssen.

    Totschlagargument für das Vorgehen der Organisation: „Besondere Lage“, bla….., „konnte keiner mit rechnen“, blub, usw.

    Natürlich müssen in besonderen Fällen auch Schwerpunkte gesetzt werden, dass wird keiner in Abrede stellen. Wenn dieses Schwerpunkt setzen aber beinhaltet, dass andere Bereiche komplett blank oder annähernd arbeitsunfähig gemacht werden, dann stimmt doch etwas hinten und vorne nicht

    Btw., wir hatten schon nicht das Personal für die Übernahme der Aufgaben bei der Deutschen Bundesbank.

    Wenn man in der Vergangenheit mit offenen Augen durch die Organisation Bundespolizei gegangen wäre, dann hätte man vor Jahren schon feststellen müssen, dass z.B. (und nicht nur) der Bundesbereitschaftspolizei Personal in erheblichem Maße fehlt.
    Da betrachten wir die angehenden Pensionsabgänge mal noch gar nicht und lassen diese außen vor.

    Jetzt, viel zu spät, macht der Finanzminister die Geldbörse auf und plötzlich können 3000 PVB ausgebildet werden. Wenn man sich sein zurückliegend gezeigtes Verhalten in Bezug auf die Bundespolizei mal vor Augen führt, dann kann man schwerlich davon ausgehen, dass er der Bundespolizei von sich aus etwas Gutes tun wollte.
    Wie kann es also sein, dass diese Personalproblematik schon so lange „weggeatmet“ wird????
    Ist die verantwortliche Politelite so beratungsresistent oder ist die polizeiliche Führung nur darauf bedacht, „alles ist gut“ nach oben zu melden??

    Fakt ist, dass die Versäumnisse zum wiederholten Male auf dem Rücken des kleinen Polizeibeamten „auf der Straße“ ausgetragen werden.
    Wenn dann zu diesen Zeiten noch eine Weisungslage herausgegeben wird, dass bei Schreiben nach „draußen“ das Symbol für „Audit Familie und Beruf“ zu verwenden ist, dann ist das wiederum ein Paradebeispiel für die Wertschätzung der Mitarbeiter durch die Behörde.

    Abschließend können wir bislang jedoch froh sein, dass es sich bisher „nur“ um eine Mengenlage handelt.
    Obschon es langsam Winter wird und wer weiss, wie sich Flüchtlinge verhalten werden, wenn sich Angehörige auf dem Weg befinden und die Grenze (widererwarten) geschlossen wird.
    An dieses Szenario mag ich abseits der zukünftigen Einsätze in Bezug auf PEGIDA, HoGeSa & Co. gar nicht denken.

    Gesund bleiben!!

    AB

  7. So langsam macht das kaputt. Die Überstunden werden geleistet. Heißt es wird richtig viel und lange gearbeitet und die Freiphasen sind sehr gering. Ich mach das ohne Murren mit; aber ich merke an meinem Körper dass die Belastungen Spuren hinterlässt. Die paar Tage frei reichen nicht zu Erholen. Und die harten langen Einsatztage vor Ort kosten Kraft. Ich habe die letzte Jahre immer viel Sport gemacht, mich gut ernährt und gesund gelebt. Ich bin auf Belastung gut eingestellt – aber ich merke die Belastung deutlich und wenn sie nicht endet, dann endet die Belastbarkeit des Körpers. Im Moment mache ich keinen Sport und die Einsatzversorgung ist nicht annähernd so gesund und hochwertig wie meine übliche Ernährung. Kurzfristig macht eine Sportpause und ungute Ernährung dem Körper nicht so viel aus – langfristig in Verbindung mit der Schicht-Arbeitsstundenbelastung schon.

    Ich befürchte, dass das Personal für die Einsatzlage schrumpfen wird. Nicht weil Beamte nicht wollen, sondern weil der Körper irgendwann streikt.

    Das alles ist rein auf die Dienstfähigkeit bezogen. Meine Familie leidet unter der regelmäßigen langfristigen Abwesenheit ebenfalls. Und die wenige Zeit zu Hause ist man komplett übermüdet.