DGB-Veranstaltung zu Gewalt gegen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes

Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei Oliver MalchowGdP-Vorsitzender Malchow: „Aggressivität und Respektlosigkeit prägen den Polizeialltag“

Berlin. Gewaltsame Übergriffe auf Polizistinnen und Polizisten nehmen nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei (GdP), weiter zu. Auf einer Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zur Gewalt gegen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes am Mittwoch in Berlin sagte der GdP-Bundesvorsitzende Oliver Malchow: „Meinen Kolleginnen und Kollegen schlägt im Alltag viel Aggressivität und Respektlosigkeit entgegen. Das Unrechtsbewusstsein vieler Bürger tendiert gen Null, selbst wenn sie gravierende Verfehlungen begangen haben. Tätliche Angriffe nehmen an Brutalität zu.“

Erste der GdP vorliegende Zahlen für das vergangene Jahr bestätigen den von Malchow bezeichneten Trend. So habe es 2015 in Berlin 7.060 Angriffe auf Polizeivollzugsbeamte gegeben, über 500 mehr als im Vorjahr. Insgesamt wurden dabei 2.658 Beamtinnen und Beamte im Dienst, also fast jeder sechste Polizist in der Hauptstadt und mehr als sieben jeden Tag, verletzt. In Niedersachsen stieg die Zahl der Körperverletzungen zum Schaden von Polizeibeamtinnen und -beamte um fast 16 Prozent. Dort fielen 2015 statistisch jeden Tag drei Beamte einem Rohheitsdelikt zum Opfer. Auch in Bremen stiegen die Fälle von Gewalt gegen die Polizei von 794 in 2014 auf 912 im vergangenen Jahr.

Malchow: „Die oft menschenverachtenden Attacken auf Polizeibeamtinnen und -beamte legen einen Schatten auf diesen Beruf, den ich vor über 30 Jahren aus voller Überzeugung gewählt habe“. Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2014 wurden täglich mehr als zehn Beamtinnen und Beamten bei massiven Angriffen Opfer von gefährlichen und schweren Körperverletzungsdelikten. Mit 3.880 erfassten Taten stieg damit die Zahl im Vergleich zum Vorjahr 2013 um mehr als 14 Prozent oder rund 500 Fälle. Etwa jeden dritten Tag wurden Polizisten Zielscheibe eines Tötungsversuchs.

Malchow: „Die Polizei kämpft nicht nur gegen Kriminalität, schlechte Verkehrsmoral, Ausschreitungen und Gewalt. Aufgabenzuwachs, Überstundenberge, Personalmangel und unregelmäßige Freizeit bei gleichzeitig schlechter Bezahlung machen den Polizeiberuf für qualifizierten Nachwuchs immer weniger interessant. Gerade in Zeiten einer florierenden Wirtschaft überlegen es sich junge Menschen zweimal, ausgerechnet zur Polizei zu gehen.“

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2 Kommentare
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  1. Kollege Malchow ! Hut ab !
    Genau auf den Punkt gebracht. Vor allem in dem Sinne neutral ohne das Nennen gewisser Tätergruppierungen auf denselbigen gebracht.
    Denn es ist im Alltag nicht immer auf die typischen XX Leute oder YX Leute festzulegen. Ich habe auch schon persönlich völlig normale (nicht direkt zu kategorisierende Personen) erlebt, die uns bei einer ganz unbefangenen Situationen in eine Falle locken wollten (im Einzeldienst). Hier muss auch weiter der Faktor Ausbildung und vor allem Fortbildung dem gesunden Menschenverstand Hilfe gewähren. Denn der gesunde Menschenverstand wird bei uns immer mehr gefordert, um gesundheitlich unversehrt zu bleiben und auch um das Leben zu erhalten. Ohne die qualifizierte Ausbildung und die Erfahrung würde die Statistik noch viel schlimmer aussehen. Viele Vorfälle werden halt durch die gute Ausübung der Eigensicherung im Keime erstickt oder vermieden.

    Auch richtig ist der Satz, dass sich die jungen Leute zweimal überlegen, ob sie zur Polizei gehen. Viele hauen auf deutsch gesagt auch nach den ersten Diensterfahrungen in den Sack.

    Kriminalität ! Die ist meiner persönlichen Meinung nur durch Präsens zu vermeiden. Denn Präsens lässt die Polizisten die Gegend kennen, bringt wertvolle Hinweise der geschützten Bevölkerung (die hier auch die Polizei dann wieder als ihren Freund und Helfer anerkennen) und verhindert auch Straftaten.

    Verkehrsmoral ! Vor allem würden hier die Einnahmen potenzieller Verkehrspolizisten einen grossen Teil der Ausgaben gut decken. Das sollte man auch den BWLern unter uns und den Politkern mit dem spitzen Bleistiften erzählen. Auch wenn die Einnahmen bei den Bussgeldern in die Stadt- bzw. Kreiskasse fallen. Das ist aber die Sache mit dem Föderalismus. Trotzdem rechnet es sich.

  2. Die Zahlen sprechen Bände – und die Gewaltspirale wird weiter ansteigen. Wie wir diesem gesamtgesellschaftlichen Problem entgegenwirken und die Kollegen/-innen vor weiteren Angriffen (besser) schützen können, darüber werden wir uns Gedanken machen , aber auch diskutieren, müssen.

    M.E. trägt auch die Politik eine Mitschuld, die es versäumt sich dieser Entwicklung entgegen zu stellen und es wäre hier Fehl am Platz, alle Ursachen aufzuzählen. Ich persönlich bin der Meinung, dass gewisse Formen von Kriminalität u. Gewalt sich schon zu einem sehr frühen Lebenszeitpunkt entwickeln und aus dem Ruder laufen. Die zunehmende Perspektivlosigkeit – auch unter Migranten – trägt einen weiteren Teil zu dieser Situation bei.

    Die Ergebnisse haben wir ja bei den letzten Landtagswahlen gesehen

    Polizist – ist für viele (immer noch) ein Traumberuf – die Bewerber wissen heute aber auch, dass es besser bezahlte Berufe, gibt, die mit weniger Risiken verbunden sind.

    Das Beamtentum hat sich seit seiner Gründung nicht mehr viel weit weiter entwickelt. Es gelten immer noch die Zöpfe, die von Anfang an gelten. eine Modernisierung hat nie so wirklich statt gefunden.

    Um die Attraktivität dieses Berufs weiter aufrecht zu erhalten – und um „die Besten“ zu bekommen, muss Geld in die Hand genommen werden.

    Polizei muss Polizei sein – Land und Bund müssen gleich bezahlt werden. Es sollte nur noch zwei Laufbahnen geben, Regelbeförderung, Einstiegsgehalt mind. 5000 € netto + entsprechende Serviceleistungen wie Kitaplätze und Wohnungsfürsorge usw. – viele Firman leisten sich das schon heute.

    Das alles wäre möglich – wenn gewisse Leute den Wert unserer Arbeit anerkennen und schätzen würden.

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