Bahnhöfe dürfen nicht zu Angsträumen werden

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Jörg Radek im Interview mit n-tv zum Messerangriff in Grafing

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnt angesichts der jüngsten Messerattacke im bayerischen Grafing vor einer weiteren Reduzierung der Polizeipräsenz an Bahnhöfen.

„Was sich in Grafing ereignet hat, ist eine schreckliche Tragödie. Natürlich kann die Bundespolizei nicht zu jedem Zeitpunkt an jedem Bahnhof präsent sein. Wir dürfen aber nicht zulassen, dass Bahnhöfe für Reisende zu Angsträumen werden. Und Täter dürfen nicht meinen, sie bräuchten dort mit der Polizei nicht zu rechnen“, so Jörg Radek, Vorsitzender der GdP in der Bundespolizei.

Die GdP beklagt seit Längerem den Rückzug der Bundespolizei aus den Bahnhofsdienststellen. Grund dafür ist der Personalmangel in der Bundespolizei, der durch den Dauereinsatz an der deutsch-österreichischen Grenze und die Abordnung von Beamten an die Flughäfen noch verschärft wird. Laut Gewerkschaft kam es bundesweit bereits mehrfach zu Revierschließungen, da schlicht kein Personal vorhanden war.

„Unsere Kernaufgabe ist der Schutz der Bevölkerung, mit einer umfassenden Präventionsarbeit und frühzeitiger Gefahrenabwehr. Durch Polizeipräsenz kann selbstverständlich nicht jede Straftat verhindert werden, aber kurze Reaktionszeiten ermöglichen es, die Gefahren solcher lebensbedrohlicher Lagen wesentlich zu reduzieren. Doch genau dafür sind wir im Moment zu schlecht aufgestellt. Allein im bahnpolizeilichen Bereich fehlen uns 2.350 Streifen- und Ermittlungsbeamte“, so Radeks Fazit.

pdf Artikel für den Aushang

Aus der Presse:

Sueddeutsche.de „Bluttat von Grafing: 27-Jähriger kommt vor Haftrichter“

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Themenbereich: Kriminalitätsbekämpfung | Drucken

5 Kommentare
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  1. Leider ist es in Deutschland nach wie vor so, dass das Kind erst in den Brunnen gefallen sein muss bevor sich was ändert. Die Vorfälle häufen sich. Messerangriffe scheinen auch immer mehr in Mode zu kommen. Und was macht die Politik? ruht sich weiter auf Ihrem hohen Thron aus.

  2. und wie die Herrn da oben reagieren, kann ich mir jetzt schon vorstellen.

    War ja ein psychisch kranker mann, kein Terrorist. bedauerlicher Einzelfall. und weiter geht’s die bahnhofsinspektionen ausdünnen und die Kollegen nach FF/M schicken.

  3. ruft mal in München an und fragt wann denn die letzte Streife da war, oder besser noch: Gibts denn überhaupt noch Bahnsteigstreifen?
    Der öffentliche Skandal ist vorprogrammiert…

  4. Schaut Euch einfach mal Hamburg an.
    Schwerpunktdienststelle gemäß Kriminalitätslage und den berühmten Zahlen, Daten, Fakten!!!
    Aber die einzige Inspektion in der Direktion Hannover mit einer Minderstärke! Alle anderen Inspektionen haben mehr Personal als gem. Soll vorgesehen, nur Hamburg nicht! Woran das wohl liegt???

    Zum Glück funktioniert 110 noch!!!

  5. @Kommentar Nummer 4 !
    Bahnhof Rheine(Westfalen). Durchsage “ Die Weiterfahrt verzögert sich einen Moment bis die Bundespolizei eingetroffen ist.“
    Beim späteren Gespräch mit dem Schaffner kristallisierte sich heraus, dass mit der Durchsage Straftäter der Bahn verwiesen werden konnten. Es waren notorische und bekannte Schwarzfahrer, die zu allem Überfluss immer wieder bei ihrer Schwarzfahrerei das Eigentum der Bahn beschädigen. Die sich dann dem Rauswurf des Schaffners verweigert haben. Nach dem Motto „Was willst Du denn von uns ?“.
    Eine Streife konnte trotz Anruf (bereits vom fahrenden Zug aus !) seitens der Bundespolizei mangels Personal nicht entsendet werden und es befanden sich keine bewaffneten und uniformieren Kräfte im Zug.
    Rheine ist immerhin eine grosse Mittelstadt und ein Umsteigebahnhof. Die Emslandlinie Münster-Emden verkehrt dort. Des Weiteren IC´s vom Norden aus nach Köln/Konstanz/Stuttgart/Koblenz und eben Richtung Küste.
    Die West-Ost IC Verbindung zwischen Amsterdam und Berlin im 2-Stunden Takt.
    Weiter die wichtige stündliche Regionalverbindung nach Braunschweig.
    Ein hochfrequentierter Bahnhof ist der Bahnhof von Rheine.
    Zum 31.12.2011 wurden aus Kostengründen die Diensträume gekündigt und der Bahnhof ist bahnpolizeitechnisch unbesetzt. Aus Kostengründen ! Der Ver(Be)weis: http://www.wn.de/Archiv/2011/07/Dienstraeume-aus-Kostengruenden-gekuendigt-Bahnhof-Rheine-verliert-die-Bundespolizei
    Lest aufmerksam die Begründung des Pressesprechers.
    Zitat „Publikumsverkehr habe es auf diesem Dienstposten kaum noch gegeben, insofern mache es keinen Sinn, diesen Stützpunkt zu unterhalten. „Rheine ist schon seit längerem kein Anlaufpunkt für Bürger und Reisende. Die polizeilichen Einsätze werden schon seit langem von der Bundespolizeiinspektion Münster koordiniert“, erläuterte der Pressesprecher.“
    Damit begründet sich also der Nicht-Einsatz in der Praxis.
    Dass der Bahnhof Rheine für Reisende aus der Grafschaft Bentheim ein Umsteigepunkt ist und auch eben aus dem Braunschweiger Raum, wurde und wird völlig verkannt. Auch dass am Bahnhof viele aus Rheine und Umgebung dort einsteigen ist egal.
    Kein Anlaufpunkt für Reisende ! Koordinierung von Münster aus ! So heisst es offiziell seitens der Bundespolizei.
    Dass die Realität verkannt wird und Koordinierung eben heisst „Keine Kräfte verfügbar“ ist eine Tatsache.

    Deshalb kann ich Nummer 4 nur bestätigen. Zum Glück funktioniert 110 noch. Wenn also eine Straftat passiert, wo direkt die körperliche Unversehrtheit oder gar das Leben bedroht wird.
    Andere Straftaten bleiben eben bei entsprechender Dreistigkeit der Täter unaufgeklärt.