Alkoholverbot in Zügen gezielt einsetzen

Pressemeldung vom 28.02.2017:

Sven Hüber, Stv. Vorsitzender GdP Bundespolizei

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) steht der Diskussion eines generellen Alkoholverbots in Zügen der Deutschen Bahn AG skeptisch gegenüber. „Man muss sich fragen, ob die Mehrheit der Reisenden diesen dauerhaft eingeschränkten Reisekomfort wünscht und auch, ob ein solches Verbot überhaupt durchsetzbar wäre und von wem“, kommentiert Sven Hüber, stellvertretender Vorsitzender der GdP in der Bundespolizei.

Die Bundespolizei setzt das Hausrecht in den Zügen und auf den Anlagen der Deutschen Bahn AG dann durch, wenn diese sie dafür um Unterstützung ersucht. „Uns fehlen wegen jahrelanger sicherheitspolitischer Ignoranz ohnehin mehrere Tausend Bahnpolizisten. Und dieser Zustand wird noch über Jahre andauern. Es wäre deshalb gar keiner da, täglich gegen jeden ansonsten friedlichen Alkoholsünder auf dessen Urlaubsfahrt vorzugehen“, so Hüber. „Jeder Bahnfahrer weiß, wie schwierig bereits das Rauchverbot auf Bahnhöfen durchsetzbar ist. Eine Getränkekontrolle wäre noch viel schwieriger.“

Wichtiger sei, dass bereits die Bahn bei gefahrengeneigten Großveranstaltungen und vor allem beim Transport zu Sportveranstaltungen wie Fußballspielen rechtzeitig, konsequent und öffentlich ein Alkoholverbot ausspreche; das sei wegen der ohnehin präsenten Polizei dann auch realistisch durchsetzbar.

„Es ist jedoch keine Frage, dass die Bundespolizei alle Angriffe und pöbelnde Beleidigungen gegen Bahnmitarbeiter auch in Zukunft nicht dulden und weiter hart verfolgen wird. Hier muss auch die Bahn zusammen mit der Polizei gegebenenfalls neue Wege suchen, um Mitarbeiter zu schützen. Wer öffentlichen Transportdienst für alle leistet, muss sich dafür nicht auch noch angehen lassen, egal ob von Alkoholisierten oder Nüchternen“, so der Polizeigewerkschafter Hüber.

In der Presse:

Abendzeitung München: „GdP widerspricht Weselsky: Alkoholverbot im Zug? Polizeigewerkschaft macht Vorschlag“

Westfälische Rundschau: „Polizeigewerkschaft sieht Alkoholverbot in Zügen skeptisch“

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9 Kommentare
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  1. Wer soll denn bitte das Alkoholverbot durchsetzen ?
    Die Bahnpolizei, die in den Zügen praktisch nie und nicht einmal auf allen Hauptbahnhöfen präsent ist ?
    Die Schaffner, die ihre Gesundheit riskieren für ein paar Euro ? Entschuldigt bitte. Aber ich habe schon erlebt, wie ein einzelner Schaffner in einem Zug mit einer gewissen Gruppierung von Kontrollen und der Durchsetzung des Rauchverbotes abgesehen hat. Und da kann ich ihn auch verstehen. Nicht mal wir werden uns mit zwei Mann gegen eine Überzahl von Straftäter versuchen durchzusetzen.

    Das Grundproblem ist, dass die Gesetze in unserem Lande null eingehalten werden.
    Nicht wie bitte, sondern ja danke !
    Es fängt im Strassenverkehr an.
    Rechtzeitiges Betätigen des Fahrrichtungsanzeiger gilt als nicht mehr modern.
    Den Abstand halten nur noch wenige ein.
    Es wird einfach auf Gehwegen, Radwegen, in Halteverboten, vor Ausfahrten usw. geparkt.
    Es wird rücksichtslos gerast.
    Auch im Alltag. Wie sich viele Menschen bewegen. Ob man dem Mitmenschen vor die Füsse läuft usw..
    Laute Musik im Wohnblock.
    Feiern darf man einmal im Monat, aber so richtig.

    Wir haben überhaupt kein Unrechtsbewusstsein mehr innerhalb der Bevölkerung.

    Selbst viele Kirchgänger rauschen aus der Kirche raus und nehmen die Radfahrer aufs Korn und Fussgänger sowieso.

    Aber genug dessen.

    Ein Arbeitskollege sagt vor 15 Jahren, dass wir irgendwann einmal wieder komplett bei null anfangen müssen.
    Dass eben der Streifenpolizist der Landespolizei dem Autofahrer, welcher nicht blinkt, ein Verwarnungsgeld auferlegt.
    Dass eben der rücksichtslos die Fahrbahn überquerende Fussgänger ebenfalls zahlen muss.
    Dass jeder noch so gering erscheinende Parkverstoss geahndet werden muss.
    Dass auch wieder Polizeibeamte zu Fuss auf den Strassen unterwegs sein müssen.
    Dass achtlos weggeworfene Gegenstände zu einer Anzeige führen.

    Doch dafür benötigt die Polizei mehr Personal. Personal, welches über 25 Jahre unter völliger Missachtung der Realität zurückgeführt wurde. Die Schließung von Dienststellen und die immer grösser werdenden Streifengebiete.

    Man bekommt nicht anders Ordnung in dieses Land, wenn man nicht bei null anfängt.
    Aber die Polizei kommt doch gerade mal mit den alltäglichen Einsätzen zurande. Da bleibt keine Zeit mehr für eine routinemässige Streife. Und das merken die Leute doch. Heute bremst doch keiner mehr ab, wenn er einen Streifenwagen sieht. Selbst Radfahrer die verkehrt fahren, Autofahrer die offensichtliche Ordnungswidrigkeiten begehen usw., nehmen von ihren Taten keine Abstand, wenn sie eine Streife erspähen.
    Und wenn die dann doch mal angehalten werden sagen die „Der hat das aber auch gemacht!“.

    ALSO ! Bevor wir hier über weitere Verbote reden, deren Einhaltung eh keiner überprüft, müssen mehr Polizeibeamte auf die Strasse und die Schienen bekommen. Die dann eben bei null anfangen. Dann benötigen wir auch kein absolutes Alkoholverbot. Denn dann werden diejenigen, die sich nicht an die Spielregeln halten, aus den Zügen entfernt. Und wenn Gruppierungen (und ich lege mich hier auf keine Gruppierung fest) Theater machen, wartet dann am nächsten Bahnhof eine Hundertschaft und nimmt sich der Sache an.
    Und wenn der Zug ausserplanmässig halten muss und gar auf ein Nebengleis geführt wird, zahlen die Verursacher sie Strafe.
    Dass unsere Richter mitspielen, hat ja das knallharte aber gerechte Urteil über den s.g. Todesraser von Berlin gezeigt.
    Die Richter werden auch bei entsprechender guter Ermittlungsarbeit die Strafen aussprechen.
    Und dann werden sich eben Gruppierungen in Zukunft dreimal überlegen, ob sie Palaver machen oder es lieber sein lassen.
    Vor allem wird bei solchen Gerichtsverfahrnen bei Straftaten im Bahnbereich auch die Strafe nach den Vermögensverhältnissen ausgesprochen. Also die Strafe an und für sich plus die zivilrechtliche Geschichte. Denn das tut dann auch den erlebnisorientierten gut betuchten Menschen weh.

    Nicht ständig neue Verbote erfinden, sondern die vorhandenen Regeln durchsetzen.
    Und dass wir keine härteren Gesetze benötigen, zeigt das Berliner Urteil gegen den s.g. Todesraser.

    Und auch an die Politik, die immer wenn was passiert nach härteren Gesetzen schriet !
    Wir benötigen nur eine Sache !
    Mehr Polizeibeamte.
    Entschuldigung ! Doch drei Sachen.
    Mehr Polizeibeamte, mehr Sachbearbeiter bei den Kommunen bezüglich der Ordnungswidrigkeiten und mehr Leute bei der Justiz.

    Und jeder BWLer kann im Schlaf zusammenrechnen, dass das schwarze Zahlen ergibt.
    Nicht nur die zusätzlichen Einnahmen, auch die Sicherheit und der dann geringere volkswirtschaftliche Schaden.

    Die Versicherungen machen uns doch immer vor, dass man für nur einen Euro am Tag ganz toll versichert ist.
    Für nur 60 Cent am Tag pro Bundesbürger bekomme ich 250.000 mehr Polizeibeamte inklusive Material etc..
    Jetzt rechnet mal nach. Und erklärt das bitte der Politik.

  2. @Herbert: 1000% – bester Beitrag aller Zeiten!

  3. @Herbert: Toller Beitrag. Daumen hoch. Ich kann es nicht mehr hören…immer mehr Verbote fordern und darauf hoffen, dass die Bürger das Handeln unterlassen. Aber so sieht die Realität nicht aus;)!

  4. @Herbert: ..and the winner is…..-very great. German Federal Police first – make German Federal Police great again – nein dass sind keine Worte des „TdM“.

    Als es hier im Forum um die Zunahme privater Sicherheitsdienste ging, fand ich einen -etwas älteren – Artikel des Spiegels – er titelte damals „Verlierer in Uniform“ – der eigentlich zu all diesen Beiträgen passt – Schon die tägliche Aufzählung in der rechten Spalte (Bundespolizei vor Ort) spricht Bände.

    Jeden Tag darf ich zusehen, wie die „Löcher“ in diesem Rechtsstaat immer mehr werden, ähnlich einem „Schweizer Käse“ – wie sich gewisse Dinge verselbständigen – und es dem nichts entgegen zu setzen gibt, ähnlich einem Staudamm der kurz vor der Überflutung steht.

    Jeden Tag wird mit Milliarden „gezockt, spekuliert und Steuermonopoly gespielt – da vergehen Jahre bis man staatlich selbst produzierte Schlupflöcher vermeintlich schließt – während sich abertausende neu auftun.

    und die Mär von der Geschicht – reden ist Silber – schweigen ist Gold….

  5. Pyrotechnikverbot im Stadion und Rauchverbot in Bahnhof und Zügen ist kaum zu kontrolieren; und jetzt soll das Alkoholverbot in Zügen kommen. Kann ich mir nicht vorstellen. Ich sehe jetzt schon die lachenden Fußballfans vor mir, wie sie uns verarschen werden. Ich sehe nur noch eine Möglichkeit; die Justiz muss wesentlich härter durchgreifen; insbesondere schon bei kleineren Delikten. Alles andere wäre nur mit einem großen Personalaufwand zu bewältigen oder auch nicht.

  6. Nur am Rande – Die Eisenbahngesellschaft Metronom (Strecke z.B. H – UE – HH) hat gute Erfahrungen mit ihrem Alkohoverbot gemacht. Natürlich wird hier oder da auch mal ein Auge zugedrückt, aber gerade bei z.B. Fussballspielen ist diese bestehende Regelung nicht schlecht für uns.
    Die meisten Mitreisenden stört dieses Verbot auch nicht.

    Also nicht gleich meckern und kaputt reden – machen wir ja sonst immer – sondern einfach mal probieren.

    @ Hebert; Schade Steinmeier war schneller als Du. Ich hätte Dich gewählt. Super Beitrag – DANKE

  7. @Herbert,

    auf den punkt gebracht, sehr guter beitrag.

    mfg

  8. @Streik

    Das AG Hamburg hat heute einen Rostocker „Fan“ zu neun Monaten auf Bewährung (3 J.) wegen gefährlicher Körperverletzung und schwerem Landfriedensbruch verurteilt.
    Dieser hatte ein Bierflasche in Richtung von Polizeibeamten geworfen. Die Flasche zersplitterte auf Kopfhöhe an einer Tür und die Splitter verletzten die Beamten.

    Manchmal haben wir eben Glück mit den Richtern.

  9. @Wächter, leider hat bisher niemand thematisiert, wieviel eigenes Sicherheitspersonal die EVUs auf die Züge bringen, um Ihre AGBs mithin das Privatrecht durchzusetzen. Metronom hat seinerzeit gezielt Sicherheitskräfte auf die Züge gebracht auch zu den Einsätzen Fußball, Demos etc. – und die Deutsche Bahn AG? Die setzt immer noch auf den Ortsdienst.
    Das in Brandenburg bereits vorhandene Alkoholverbot hat bisher niemanden interessiert und da sind wir wieder bei Herbert.
    Manchmal ist weniger mehr!

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