Was der Bundespolizeibericht verschweigt

Jörg Radek, Vorsitzender GdP-Bezirk Bundespolizei

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) mahnt einen kritischen Umgang mit dem heute veröffentlichten Jahresbericht 2016 der Bundespolizei an.

„Es ist gut, dass nun endlich die Geheimniskrämerei aufhört und der seit Monaten überfällige Bericht veröffentlicht wird. Allerdings lässt dieser entscheidende Informationen aus. Denn spannend sind nicht nur die zweifellos hohen Leistungen der Bundespolizei, sondern vor allem auch, unter welchen Bedingungen diese erbracht wurden. Dazu schweigt das Papier. Stattdessen wird über Banalitäten wie die Anzahl der Funkgespräche berichtet“, fasst Jörg Radek, Vorsitzender der GdP in der Bundespolizei, die Kritik seiner Gewerkschaft zusammen.

Der GdP fehlen vor allem Angaben zur personellen Unterbesetzung, den hohen Krankheitsraten und den enormen Überstundenbergen, die die Bundespolizei vor allem in den letzten beiden Jahren angehäuft hat. Letztere hatte die Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage hin bereits öffentlich anerkannt.

„Ein Beispiel, wie der Bericht arbeitet, findet man darin, dass zwar Abordnungen außerhalb der Bundespolizei benannt werden, nicht aber die innerhalb der Bundespolizei. Dabei ist es für das Personal einer Dienststelle egal, ob es zum Einsatz innerhalb oder außerhalb quer durch Deutschland geschickt wird – Fakt bleibt: Man kann nicht an zwei Orten gleichzeitig sein“, so Radek.

Der Gewerkschaft fehlt es derzeit vor allem an Möglichkeiten zur polizeilichen Präventionsarbeit und der Präsenz der Bundespolizei vor Ort. „Insbesondere dort, wo die Bundespolizei eben nicht präsent ist, wird ihre Bedeutung für Innere Sicherheit deutlich. Mangelhafte Polizeipräsenz führt zu Angsträumen und Sicherheitslücken – das spüren und kritisieren auch die Bürgerinnen und Bürger. Wenn in einer ohnehin personell unterbesetzten Behörde ständig Polizisten an die süddeutsche Grenze abgezogen werden, ist vollkommen klar, dass anderswo Lücken entstehen und die sind mitunter gravierend“, so Radek in Bezug auf die unbewachten Grenzräume und die Lage an den Bahnhöfen.

Der Gewerkschafter fordert daher dringend eine nachhaltige Personalverstärkung im Polizeidienst und in der Bundespolizeiverwaltung, um das vorhandene Personal zu entlasten und für mehr bürgernahe Polizeipräsenz zu sorgen.

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4 Kommentare
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  1. Guter Beitrag. Aber so lange selbst auf den unteren Ebenen der Führung betrogen und gelogen wird ändert sich kaum was. Es gibt DGL in unserer Dienststelle die Reviere ohne nachvollziehbaren Grund schließen um so zu beweisen, dass einige Reviere nicht unbedingt notwendig sind. Dann wird einfach die weitere Schließung damit begründet, dass die Kriminalität zurück gegangen ist. Das die Arbeit der Landespolizei überlassen wird, dass ist dann halt so. Wird dann von anderen Behörden nachgefragt wird, warum das Revier geschlossen ist, wird gelogen und erklärt, ist doch nur temporär geschlossen. Wenn die Beamten im gesamten Jahr jedoch nur 30 Schichten dort Dienst machen und ansonsten jeden Tag durch die Inspektion reisen, kann niemand von temporär reden. Die Zahlen der bundesweiten täglichen Revierschließungen wird verschwiegen oder es wird gelogen.Es wird sich nie etwas ändern, wenn ungehindert weiter gelogen werden darf. Irgendwo hab ich mal was von Ehrlichkeit gegenüber dem Dienstherrn gehört. Gilt aber ab einer gewissen Ebene nicht mehr.

    Wer Rechtschreibfehler findet darf diese behalten.

  2. „Potsdamer Werbebroschüre 2016“ wäre wohl der bessere Begriff dafür gewesen, anstatt „Jahresbericht 2016″… Wir schaffen das!

  3. Ui, mal wieder ein Selbsttäuschungsbericht?

  4. Vielleicht sollte auch mal erwähnt werden unter welchen Bedingungen die Kollegen der Bereitschaftspolizei innerhalb der Bundespolizei ihren Dienst tuen.
    Da wird für die Kontrollen an der südgrenze Personal angefordert, obwohl ein Haufen Leute gelangweilt in der Inspektion sitzen.
    Das sind dann Einsätze über 9 Tage und das teilweise 2 mal im Monat. So das man seine Kollegen mehr sieht als seine eigene Familie!!!
    Es werden Überstunden jenseits der 300 aufgebaut!
    Und über die Arbeitsbedingungen im Zelt an der Autobahn will man gar nicht reden. 12 Stunden draußen stehen und mit viel Glück mal kurz vor einem kleinen Heizstrahler hocken, ist dann schon Highlight.
    Wenn man sich nicht noch privat Winterkleidung beschafft, würde man solche Einsätze wohl nicht durchstehen!
    Und wenn man sich darüber beschwert bekommt man noch blöde Antworten vom Inspektionsleiter.
    Vielen danke lieber Dienstherr, dass du einen Traumberuf zu einem Albtraum machen kannst!

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