Gibt es noch genug BewerberInnen für den Polizeidienst?

AnwärterInnen 2017 in Bamberg. Foto: GdP

Seit Jahren bereits warnt die Gewerkschaft der Polizei gegenüber der Politik und der Polizeiführung vor den Folgen des demografischen Wandels für die Polizei: Rückläufige Geburtenzahlen kombiniert mit der Sparpolitik der Regierungen in den vergangenen Jahren mussten früher oder später zu der Situation führen, dass es immer schwieriger wird, ausreichend Bewerberinnen und Bewerber zu finden.

Verschärfend kommt in der Bundespolizei hinzu, dass man die Zahl der Ausbildungsplätze nach Jahren der Reduktion nun wieder drastisch erhöht hat. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Selbstverständlich begrüßen wir die Erhöhung der Einstellungszahlen – eine zwingend erforderliche Maßnahme. Nur so kann in der Zukunft die Einsatzfähigkeit der Bundespolizei gewährleistet werden. Genau dafür haben wir als GdP gekämpft und dürfen uns diesen Erfolg auch maßgeblich auf die eigene Fahne schreiben. Fakt ist jedoch: Es war ein schwerer Fehler, die Einstellungszahlen jemals zu verringern! Heute haben wir die Folgen zu spüren, vor denen die GdP immer gewarnt hat.
Die ohnehin bestehende ODP-Schere und die zunehmende Aufgabendichte tragen weiterhin zur gegenwärtigen Belastungssituation bei.

Inzwischen ist das Thema auch in der Öffentlichkeit angekommen: Allein in dieser Woche berichteten mehrere Zeitungen über das Problem der angespannten Bewerberlage für den öffentlichen Dienst. So bemängeln beispielsweise die Lübecker Nachrichten einen dramatischen Rückgang der Bewerberzahlen für die Ausbildung bei der Landespolizei Schleswig-Holstein bei gleichzeitig aufgestockten Ausbildungsplätzen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung diagnostiziert sogar angesichts zehntausender fehlender Richter, Polizisten und Erzieher „Staatsversagen“ und stellt die Frage, ob sich Staat und öffentlicher Dienst kaputt gespart haben.

Doch wie geht es nun weiter? Die schmerzliche aber ehrliche Erkenntnis lautet: Es wird keine schnelle Lösung geben. Jahrelange Fehler benötigen leider auch Jahre um die Folgen wieder auszumerzen.
Wir werden keine Maßnahmen mittragen, die zu einer Verwässerung des Berufsbildes des Polizisten, einer Zwei-Klassen-Polizei und zu Lohndumping führen! Der Idee der Verkürzung von Ausbildungszeiten erteilen wir eine klare Absage.

Wir brauchen ein nachhaltiges Personalkonzept für die Bundespolizei. Dafür waren die zusätzlichen Einstellungen gerade einmal ein Anfang. Den Personalbestand gilt es auch über die kommenden Jahre, die von hohen Ruhestandszahlen geprägt sein werden, kontinuierlich weiter aufzubauen. Dazu gehört ein attraktives und zeitgemäßes Berufsbild, nicht nur im Vollzug, sondern auch in Verwaltung und Tarif. Auch die vermehrte Ausbildung und Einstellung in Tarif und Verwaltung verbunden mit fairen Eingruppierungen und Aufstiegschancen sind wesentlich um die Arbeitsfähigkeit der Bundespolizei sicherzustellen und den Vollzug zu entlasten. Wie wir die Bundespolizei attraktiv gestalten haben wir bereits in unserem Vorschlag für ein drittes Attraktivitätsprogramm ausführlich beschrieben. Bei den Aufgaben des Grenzschutzes liegen außerdem Kooperationsmöglichkeiten mit dem Zoll und damit Chancen auf Entlastung der Bundespolizei ungenutzt brach.

Möglichkeiten zur Entlastung und Problemlösung gibt es also. Man muss nur das Problem endlich benennen und die Lösungen dann auch konsequent angehen! Dazu gehört aber zuerst, dass die jeweiligen Verantwortlichen in der Bundespolizei die Probleme nicht mehr öffentlich leugnen. Mit solch einer Haltung werden weder die Belastungen der Beschäftigten noch die Empfindungen der Bürgerinnen und Bürger ernst genommen.

Wir bleiben dran!

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4 Kommentare
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  1. Ja und an was liegt es. 41 Stunden sind nicht Zeitgemaess für Schichtdienstler darum 35 Std. für Schichtler und 37 für Tagesdienstler. Ueberzeitkonten im Ansparmodel für die Verkürzung der Lebensarbeitszeit. Lebensarbeitszeit auf 40 Jahre. Schluss ist in einem Korridor von 58 bis 62. Erhöhung der DuZ. Im Vergleich zur freien Wirtschaft indiskutabel. Ballungsraumzulage und zwar minimum 300 Euro. Gerechtes Beurteilungsbefoerderungssystem und Befoerderungssystem. Vor allem bundeseinheitliche gleiche Auslegung der BU Richtlinie. Modifizierung der Ausbildung. Einführung des Weihnachts und Urlaubsgeldes. Unser Orientierungsblick muss ein Gross Konzern (Daimler, BASF etc.) sein. Achten auf die Work Life Balance. Krankenkarte für alle. Abschaffen von alten Zöpfen. Erhöhung Pendlerpauschale bei Viel Pendler oder Zuschuss des Dienstherrn. Und wenn sich da nichts tut verpassen wir den Anschluss wie bei der Digitalisierung, Bildung, E, Autos. Doch den Zug haben wir verpasst und die aktuell Beschäftigten müssen es mit enormen persönlichen Einbußen machen. Das spricht sich auch bei den Bewerbern rum. Wie heisst es immer. Wir haben im vergangen Jahr viel geschafft, dies mit einer enormen Belastung, aber auch im kommenden Jahr vertraue ich auf Ihre Leistungsbereitschaft.

  2. Neben den von „Klartext“ beschriebenen Baustellen wird es sicherlich auch an folgendem Problem liegen:
    Bei der Bundespolizei hat es im Jahr 2017 über 5800 Beförderungen/Einweisungen gegeben, welche sich im folgenden Verhältnis aufteilt haben: 2119 im mittleren Dienst und 3719 im gehobenen Dienst. Wenn man hier das tatsächlich Planstellenverhältnis zueinander bringt (ca. 60 % mD und ca. 40 % gD) kann man ca. einen Faktor von 1 zu ca. 2,6 berechnen. D. h. einen beförderten Kollegen im mD sind ca. 2,6 Kollegen im gD gekommen.
    Interessanter wird dies nur noch, wenn man versucht, das tatsächlichen finanzielle Mehr zueinander ins Verhältnis zu setzen. Dies kann natürlich nur ein vager Annäherungsversuch sein, da bei der Berechnung ein ganz wesentlicher Punkt ist, in welcher Erfahrungsstufe der Kollege/´in sich gerade befindet.
    Ich bin dabei auf eine Verhältnis von 1 auf ca. 4,5 (!) gekommen. Danke lieber Dienstherr, dass bei der Beförderungsrunde des vergangenen Jahres auf jeden Euro mehr im mittleren Dienst, ca. 4,50 € für den gehobenen Dienst übrig hattest.

  3. Habt Ihr immer noch nicht die Wahrheit erkannt ?
    Die Jugend will nicht mehr der Prügelknabe der Nation sein.
    Glaubt Ihr denn etwa, dass die im Alltag nicht die Respektlosigkeit gegenüber den amtshabenden Polizisten mitbekommen ? Die leben in der harten Realität. Vorfälle auf der Schule. Vorfälle im Stadtteil. Vorfälle auf der Straße. Vorfälle um Veranstaltungen aller Art herum. Vorfälle am Bahnhof. Vorfälle auf dem Bolzplatz. Überall bekommen die mit, wie der oder das Gegenüber mit der Polizei umgeht.
    Zudem die Ehe mit der Polizei auf Lebenszeit ist. Die Bitte um Entlassung aus dem Dienst teuer wie eine Scheidung ist, weil man dem Staat Geld zurückzahlen muss.
    Wer aber einen normalen Beruf erlernt hat, kann auch den Arbeitgeber wechseln. Zudem in der freien Wirtschaft nicht überall der eiskalte Wind weht.
    Wir haben zudem in fast allen Einsatzbereichen nur ein freies Wochenende im Monat. Zudem der Freizeitausgleich nicht einmal vorhanden ist. Unsere Überstunden werden nicht ausbezahlt und kommen demnächst auf Konten. Eine Methode, die Großfirmen in der freien Wirtschaft auch schon haben. Bei denen muss dann allerdings schon die Firma schliessen, um die Stunden verfallen zu lassen.
    Bei uns riecht ein Federstrich. Und ich habe es erlebte, wie Überstunden einfach weggestrichen worden sind.

    Zudem die Jugend auch nachdenkt. Denn als Polizist ist man nicht mehr der Anerkannte im Bekanntenkreis. Die Leute fangen auf einmal anders an zu reden und haben Angst. Das private Umfeld verkleinert sich. Aber macht ja auch nichts bei der wenigen Freizeit.

    Das Land Berlin hat dann solche Kapriolen und zahlt nur einen Teil des Gehaltes am Monatsende aus. Und gerade für die Kollegen dort ist das Leben teuer. Also muss man sich von der Bank Geld leihen als normales Streifenhörnchen.

    Eigentlich müsste die Besoldung ähnlich wie in den Vereinigten Staaten sein. Exakt gemäß der Belastung der Kollegen. Und nach 10 Jahren Zugehörigkeit Erhöhungen um einen fünfstelligen Betrag.
    Ich gönne Kollegen in Berlin 5000 Euro oder mehr netto. Und wenn ein Kollege in Bayern auf dem Dorf mit 2000 Euro netto zufrieden ist, soll er dahin gehen. Aber auch das ist nicht einmal möglich. Die Durchlässigkeit zwischen den Behörden ist ein Witz. Also Bund – Land. Doch selbst von Bayern nach Niedersachsen ist der Wechsel unmöglich, da der mittlere Dienst in Niedersachsen abgeschafft worden ist.
    Alles Albernheiten, die man in den Vereinigten Staaten nicht kennt. Da ist man Polizist und Punkt. Man kann dort auch bei gesundheitlichen Problemen locker in andere Bereiche wechseln.

    Hier ist man nicht nur mit der Polizei verheiratet, sondern auch mit dem Bundesland. Tauschpartner, damit geht es. Aber aus Berlin lässt das Land keinen Polizisten raus. Zudem gewisse Länder Berliner Polizisten nicht gerne nehmen. Von wegen die Qualität ist überall gleich. Bremen mit seinen bislang hohen Standards lässt auch keine flüchten. Alles rund 29 Jahre nach dem Mauerfall.

    Die GdP sollte sich erst einmal, Gedanken über die Durchlässigkeit und den einheitlichen bundesweiten Status des Polizeibeamten machen, welcher überall sofort seinen Dienst antreten kann.
    Dann über die Rechte der Polizei. In den Vereinigten Staaten von Amerika steht die Justiz hinter der Polizei. Die Politik steht hinter der Polizei. Die Vorsetzen stehen hinter der Polizei. Klar muss man sich da aufgrund des Beweismittelverwertungsverbotes explizit an die Vorschriften halten, aber dafür lässt die Justiz die Leute nicht gleich wieder laufen. Damit meine ich nicht die Kautionsmöglichkeit. Sondern unsere lasche Justiz. In den Vereinigten Staaten lässt man gewiss keinen Menschen so laufen, der Polizeibeamte angespuckt, beleidigt und angegriffen hat. Da wird der Haftbefehl erstellt und Punkt.
    Amerikanische Polizisten im Austausch sprechen doch ihre Verwunderung über unsere laschen Maßnahmen aus.

    Mit einer mittellosen Polizei – dem Gegenüber mittellos – und ohne Respekt in der Bevölkerung – weil wir faktisch null Präsenz zeigen – werden wir bald gar keine Leute mehr für den Polizeidienst erhalten.

    Sprecht doch mal als Gewerkschaft mit Jugendlichen auf der Straße. Und fragt sie mal bitte, warum sie nicht zur Polizei gehen. Die Antworten werden Poltisch nicht korrekt sein, aber die Wahrheit.

  4. Alleine schon die Überschrift mit dem Wort „BewerberInnen“ ist schon ein Indiz dafür, dass die wahren Gründe für die mangelhaften Bewerbungen gar nicht genannt werden dürfen. Wer sich schon in der Überschrift aus vermeidlich politischer Korrektheit in grammatikalisch verkehrtes Wort verstrickt, hat in Wahrheit keine anderen Sorgen oder lenkt nur von den wahren Sorgen ab.

    Also Bahnpolizisten wissen wir, warum sich die Jugendlichen nicht mehr bei er Polizei bewerben und welche wahren Sorgen sie dazu bewegt haben. Allerdings würde die genaue Wiedergabe der Gründe gegen die Netiquette verstoßen.
    Also fragt mal bitte die Jugend selber. Wir müssen uns jeden Tag im Dienst und außerhalb des Dienstes anhören, warum die Menschen nicht mehr zu Polizei gehen wollen. Strengt Euch mal an und fragt nach. Wundert Euch aber nicht über Antworten, welche man dank politisch korrekter Polizeiberichte und vom Pressekodex zensierten Presseberichten nicht mehr kennt.

    Ihr lebt genau wie die Politiker am Menschen vorbei. Darum ist auch die zweitstärkste Partei nicht die SPD, sondern die Gruppe der Nichtwähler. Und genau deshalb bewerben sich auch immer weniger Menschen bei der Polizei.

    Das Volk bekommt die reale Welt mit. Die echte Kriminalität. Die Zustände im Straßenverkehr. Der Umgang mit der Polizei. Sicher auch die wahre Armut und den realen Kapitalismus. Auch eben die Mietpreise.
    Diese Realität spiegelt sich in den Medien nicht wieder.
    Ebenso wenig wie sich die reale Inflation sich in der Inflationsrate nicht widerspiegelt.
    Ich hause in einer Wohnung, deren Mietpreis von Ende der 1980er Jahre um das 3,2 fache gestiegen ist. Ohne Luxussanierung. Nur mit den notdürftigen Sanierungen.
    Aber das Gehalt ist nicht um den Satz gestiegen.
    Ebenso sind die Energiekosten massiv gestiegen.
    Versicherungen sind teurer geworden.
    Aber in den Warenkorb rechnet man eine DVD Spieler, der vor XY Jahren noch 1000 Euro gekostet hat. Nur die Leute kaufen sich nicht jeden Tag solche Technik. Aber Lebensmittel, Benzin, Gas und Strom.

    Ohne s.g. Billiganbieter im Netz und Läden wie KiK, Tedi usw. würden viele Menschen gar nicht überleben können. Auch kein Polizist in München, Hamburg oder Berlin.

    Und immer dieser Spruch „Deutschland ist ein so reiches Land“. Die, die das sagen, haben null Geldsorgen. Doch die junge Generation sitzt schon mit Schulden mittendrin. Das Gehalt, welches ihnen weniger gezahlt wird, müssen sie sich über Kredite holen.
    Alleine der Auszug aus dem zu Hause kostet bei grob 600 Euro Miete mal eben 1428 Euro für den Makler und 1800 an Kaution. Plus die Wohnungseinrichtung. Auch hier wird völlig am Volke vorbei gelebt. Eine Wohnung ohne einen Makler zu bekommen ist praktisch unmöglich. Die SPD hat hat bei der Forderung der Abschaffung der Wohnungsmakler einen Rückzug gemacht. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-42601618.html

    Die Sozialpolitik ist in diesem Lande abgeschafft worden. Schleichend in den 1980er Jahren und rapide nach 1989. Das ist kein Märchen, sondern die Wahrheit. Doch die Politik feiert ständig den Tag der Einheit (abgeschottet vom Volke versteht sich) und laufend Grenzöffnungen als auch Europa historische Tage.
    Aber Ihr werdet oder wollt das alles auch nicht verhindern.
    Doch wird es noch weiter den Bach runtergehen. Schlimmer geht immer.

    Als ich basierend auf meine Verwandtschaft die Gewerkschaftsarbeit aufnahm, sah ich die soziale Verantwortung der Gewerkschaften im Mittelpunkt. Diese sozialen Verantwortung gibt es nicht und es gab sich auch nie wirklich. Jedes andere Land schützt seinen Arbeitsraum von Lohnkonkurrenz aus dem Ausland. Nur unser DGB macht massive Pläne zur Integration von Flüchtlingen. Asyl ist ein temporärer Schutz, der nach Beendigung der politischen Verfolgung wegfällt. Es ist kein legitimes Mittel zur Einwanderung auf den Arbeitsmarkt für die Großwirtschaft. Eigentlich nicht. Auch die EU ist nur (neben der Produktionsfreiheit) ein Mittel zur freien Verfügbarkeit des Humankapitals. Aber das ist schon politisch nicht korrekt. Warum eigentlich ? Spinnen wir ? Wir lassen uns vom DGB … lassen wir das.

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